28. Januar 2007

Biesenthaler wollen die Alleebäume erhalten

Es gibt sie noch: Anwohner, die um den Erhalt der Straßenbäume vor ihrem Grundstück kämpfen. Und es gibt auch noch Politiker, die die Bürgerproteste ernst nehmen und den Erhalt der Bäume durch alternative Planung möglich machen. So geschehen in Biesenthal in den letzten beiden Monaten.

schild„Dieser Baum der inneren Reihe der Allee ist nicht zum Fällen freigegeben.“ Mit diesem Schild protestierten Biesenthaler gegen die Anfang Dezember großzügig angebrachten Fällmarkierungen an der Radwegallee der Bahnhofstraße in Biesenthal. Der Landesbetrieb für Straßenwesen hatte zur Vorbereitung des Straßenneubaus bereits alle Bäume am Fahrbahnrand der Bahnhofstraße gefällt und dabei gleich auch ein gutes Dutzend der Bäume der Radwegallee mit Fällmarken versehen. Für den Gesamtkomplex des Bahnhofstraßenausbaus sind jedoch zwei verschiedene Behörden zuständig: das Land Brandenburg für die Fahrbahn und die am Fahrbahnrand stehenden Bäume, die Stadt Biesenthal für Geh- und Radwege und die Bäume an der Radwegallee. Über letztere hat das Land also gar nicht mitzureden, da sie mit der Fahrbahnsanierung nichts zu tun haben. Auch der Bau der Grundstückszufahrten ist Sache der Stadt.

Die von Anwohnern an den Bäumen angebrachten Plakate, viele Anrufe beim Bürgermeister und Proteste in der Einwohnerfragestunde der Ausschusssitzungen zeigten Wirkung: Der Planer wurde wieder an den Schreibtisch geschickt mit dem Auftrag, die Grundstückszufahrten so anzulegen, dass die nach dem ersten Entwurf im Wege stehenden Bäume erhalten bleiben. Das Ergebnis: zwei Bäume sind aus gutachterlicher Sicht zu fällen, weil sie nicht mehr standfest seien. Vier Bäume könnten aus planerischer Sicht gefällt werden - um dem Wunsch von Anwohnern zu entsprechen, die ihre Einfahrt verlegen wollen oder sich durch in der Einfahrt stehende Bäume gestört fühlen. Das sehen nicht alle so. „Die Einwohner haben bislang ihre Grundstücke befahren können, also können sie es auch weiterhin“, war die überwiegende Meinung der Stadtverordneten. Jeder einzelne der vier angeblich störenden Bäume wird demnächst vom Bauausschuss angeschaut, ob er wirklich in einer Grundstückszufahrt steht. „Die vier bleiben auch stehen!“ prognostizierte ein Mitglied des Bauausschusses nach der Sitzung. Man wird sehen.

Die Pläne sind in der Amtsverwaltung Biesenthal-Barnim für jedermann einzusehen - und das wird auch nötig sein, denn die Stadtverordneten beschlossen den als Tischvorlage (!) eingereichten Entwurf ohne genaue Prüfung. Ein Skandal, wo es doch hier um ein Bauvorhaben geht, das die Stadt und die Anwohner über eine dreiviertel Million in diesem Jahr kosten wird ...

dankUnd so verfuhr das Land Brandenburg mit „seinen“ Bäumen: 43 Bäume am Fahrbahnrand wurden Anfang Dezember gefällt. Lediglich ein Baum, ein Ahorn, dessen Bild im vergangenen Jahr den Fotowettbewerb „Biesenthaler 4 Jahreszeiten“ gewonnen hatte, wurde dank eines Zuschusses der Stadt für Baumpflege und Wurzelbehandlung verschont - Kostenpunkt 2000 €. Somit wissen wir jetzt auch, was der Erhalt aller Bäume gekostet hätte: 43 x 2000 € = 86 000 €. Das Land lässt sich den Straßenbau 1,2 Mill. kosten incl. Fällen störender Bäume und die anschließende Neupflanzung von insgesamt 88 Bäumen.

Übrigens: Ursprünglich hatte das Land uns die Fällung der äußeren Baumreihe mit dem Versprechen auf Ersatzpflanzung von 160 Bäumen schmackhaft gemacht. Übrig geblieben ist bis jetzt die gute Hälfte der Versprechungen.

posted by lena